Urknall

Ich schätze mich sehr glücklich, über 63 Jahre mit einer wundervollen Frau verheiratet gewesen zu sein, bevor Hildegard starb, als ich 85 war. Und nun wurde ich mit einem neuen Anfang gesegnet: Über ein Jahr und ein paar Monate später, an meinem 87. Geburtstag, heiratete ich die junge fidschianische Schönheit Meredani. 41 Jahre jünger – kein Scherz. Hier sind einige Fotos von uns:

Hier sind Meredani und ich auf Magic Island (dieser Ort heißt wirklich so) auf Oahu, am Ufer mit Diamond Head im Hintergrund. Von links nach rechts siehst du mich, Meredani in einem traditionellen fidschianischen Hochzeitskleid (ein Erbstück), das Blumenmädchen Ginger, deren 7. Geburtstag zufällig auch der 7. Mai war, und Kahu Jane Kaimana Ma’u. („Kahu“ ist das hawaiianische Wort für „Priester“ oder Trauzeuge, eine Person welche streng ausgebildet und vom Staat Hawaii zugelassen wird). Kahu Jane führt die Hochzeitsriten aus.
Auf diesem Bild halten Meredani und ich einen Walzahn; hier ist vielleicht eine Erklärung notwendig. Eigentlich mehr als eine Erklärung – eine gewisse Kenntnis der fidschianischen Kultur wäre nützlich. Du kannst dich darüber auf https://en.wikipedia.org/wiki/Tabua oder anderen Seiten über „Tabua“ (zeremonieller Walzahn) aus Fidschi belesen. Kurz gesagt, Walzähne, die seit der Zeit der fidschianischen Kannibalen extrem selten geworden sind, wurden als ein Familienschatz – meist DER Schatz der Familie – behandelt (und gehandelt). Wie ein Goldbarren gehörte ein Walzahn der ganzen Familie, wurde gehuldigt und verehrt, und dann wurde er von Generation zu Generation weitergegeben, immer an denjenigen, der als Hauptträger der Familienwerte angesehen wurde. Dieser Walzahn hat außerdem seinen eigenen Geist, welcher noch immer lebt und seinem Besitzer und allen die in seiner Nähe sind, Energie und Kraft spendet. Nun, Meredani war diejenige aus ihrer Familie, der der Walzahn anvertraut wurde, weitergereicht über Generationen seit Hunderten von Jahren. Und dann, voila, als Teil unserer Trauung geschah es: Dieses Glück und dieser Talisman wurden von ihr auf mich übertragen.

Nur einigen wenigen hatten wir zwei Wochen vorher von der Hochzeit verraten. Der Rest der Welt erfuhr nichts, da es eine Überraschungshochzeit sein sollte, eine sehr private Angelegenheit „am grünen Rand der Welt“ und die Neuigkeiten wurden erst im Nachhinein bekannt gegeben.

Die Flut von anderen Reaktionen auf unsere Bekanntmachung war sehr begeistert und jubilierend. Hier sind nur zwei Beispiele:

(A)

Dieser ist von Hildegards langjähriger Hausärztin und persönlichen Freundin seit wir in den 1990er Jahren nach Hawaii kamen bis ganz zum Schluss.

Von: Dr. Sue Ja Park

Betreff: AW: Überraschung

Datum: 8. Mai 2016, 22:27 Uhr

An: Win Straube

WOW, was für eine Überraschung!!!

Die BESTE NACHRICHT, die ich seit langer Zeit höre!!!

HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE!!!

Die BESTEN WÜNSCHE für ein langes, langes glückliches Leben zusammen.

Ich bin mir sicher, dass Hildegard sehr glücklich ist zu wissen, dass du verheiratet bist und dass sie dir ihren guten Segen gegeben hat.

Vielen Dank für die herrliche FREUDIGE NACHRICHT.

Nochmal herzlichen Glückwunsch!!!

Sue Ja

(B)

„Dragonfly“ lebt in Vermont, sie ist Buchkritikerin bei Roundtable Reviews, die, nebenbei bemerkt, viele Buchkritiken für Amazon geschrieben haben. Sie ist die „Dragonfly“, welche 2002 die Kritik zu meinem Buch „Enjoying the Ride“ schrieb und eine persönliche Freundin sowohl von Hilgegard als auch mir wurde.

Von: Dragonfly

Betreff: AW: Überraschung

Datum: 10. Mai 2016, 12:42 Uhr

An: Win Straube

Hi Win…

Alles Gute zum Geburtstag und meinen herzlichen Glückwunsch! Eine zweite Ehe wie deine beweist die Liebe, welche deine erste geprägt hat. Ich bin mir sicher du und Meredani werdet sehr glücklich sein. Ich wäre gern vorbeigekommen, aber ach, ich bin ein bisschen zu weit weg. Ihr beiden seht sehr glücklich aus.

Wie ihr wisst, runzeln die Menschen manchmal die Stirn über eine zweite Ehe nach einer langen ersten. Mein Rat ist es, sie zu ignorieren und einfach eure gemeinsame Zeit zu genießen. Gibt es Pläne für eine Hochzeitsreise? Ihr seid ja schon in einer der wahrscheinlich schönsten Gegenden der Welt, aber ihr könntet etwas Kleines machen, um zu feiern. Ich bin einfach so begeistert, dass du jemanden gefunden hast, mit dem du dein Leben teilen kannst.

Grüße an die reizende Meredani.

Passt auf euch auf!

Dragonfly

Es ist alles schon mal passiert…

Ja, es ist nichts neues, dass Paare mit einem Altersunterschied von 40 Jahren oder mehr heiraten. Hier sind nur ein paar der prominenten Persönlichkeiten, die es uns vorgemacht haben:

Altersunterschied: 40 Jahre
Pablo Picasso… mit Françoise Gilot

41 Jahre
Clint Eastwood… mit Erica Tomlinson-Fisher

42 Jahre
Leopold Stokowski… mit Gloria Vanderbilt

43 Jahre
Mick Jagger… mit Melanie Hamrick

46 Jahre
Dick Van Dyke… Alene Silver

47 Jahre
Anthony Quinn… mit Kathy Benvin

60 Jahre
Hugh Hefner… mit Kendra Wilkinson

Also, was ist noch neu?

Im Alter ein zweites Mal zu heiraten ist eine sehr positive Art das Leben und das Glück zu umarmen. Es funktioniert auf jeden Fall für mich

Obwohl das nicht bedeutet, dass Du versuchen musst, jemanden mit einem mehr als üblichen Altersunterschied zu heiraten. Gleichzeitig denke ich, dass das chronologische Alter sowieso keine Rolle bei der Wahl eines passenden Partners spielen sollte. Wenn du nach dem körperlichen Zustand, wie z.B. den Blutdruckwerten, der Scharfsinnigkeit, und der Leistung auf dem Laufband gehen würdest, wäre das vielleicht sinnvoller. Wohlgemerkt können Glück und Harmonie wahrscheinlich auch oder sogar erst recht von zwei Menschen genährt und gefunden werden, die für den Rest der Welt als überhaupt nicht zusammenpassend erscheinen. Und logisches Denken (wie in der Vergangenheit bewiesen), ist nicht unbedingt der beste Ratgeber, wenn es darum geht, Attraktivität in Liebe und langfristigem Glück erblühen zu lassen. Obwohl mein Bauchgefühl mir sagt, dass es auch hilfreich, vielleicht sogar weise sein kann, etwas Verstand zu nutzen, wenn man die langfristigen Konsequenzen bedenkt.

Leben im Hier und Jetzt

Tatsächlich gibt es auch im täglichen Leben zahlreiche Möglichkeiten für Neuanfänge, unabhängig von deinem Lebensabschnitt. Unzählige Gelegenheiten, freudig zu leben und ganz mit den Menschen in deiner Umgebung verbunden zu sein, ob in einem eher kleinen Kreis oder in der Weltgemeinschaft. Wie bereits Heraklit (vorsokratischer griechischer Philosoph) sagte: „Das einzig Konstante im Universum ist die Veränderung“, das heißt der einzige Weg, zu wachsen und sich zu entwickeln besteht darin, Veränderungen anzunehmen.

Betrachtet man es wissenschaftlich, war Charles Darwins große Erkenntnis, dass „während sich die Arten zwar entwickeln, sie dies nicht auf ein vorgeschriebenes Ziel hin tun. Organismen passen sich den örtlichen Gegebenheiten an und nutzen dazu die ihnen gerade zur Verfügung stehenden Mittel.“

Wie wir genau wissen, gehören auch wir Menschen zu diesen Organismen. Was kurz gesagt bedeutet: Im Laufe der Zeit, während wir älter werden, egal ob es 8 Tage oder 80 Jahre älter sind, werden sich Menschen, die sich immer wieder den veränderten Bedingungen anpassen und die vorhandenen Möglichkeiten ihrer Zeit nutzen, ganz sicher verändern. Wenn auch noch so langsam, wird sich ihre Persönlichkeit und die Fähigkeit, mit ihrem Leben umzugehen, verändern. Mit anderen Worten: Werde nicht steif, weder körperlich noch geistig, sondern geh mit der Zeit. Unter meinen ehemaligen Mitschülern zum Beispiel ist es wichtig, so gut es geht körperlich aktiv zu bleiben und das Gehirn zu fordern. Dazu gehört, zu lernen wie man einen Computer und das Internet nutzt; ich kenne viele, die das nicht getan haben und sich von solchen neumodischen Dingen fernhalten.

Nur WEIL man mit der Zeit geht, in der Gegenwart lebt und sich auf die Zukunft vorbereitet, kann man manche alten Dinge und auch Gedanken hinter sich lassen. Natürlich steht es dir frei, diese weiterhin in Form von Erinnerungen zu genießen und darin zu schwelgen, oder neue Schlüsse aus alten Geschichten zu ziehen, die du durchlebt hast. Das ist sehr gesund und rüstet einen für die Probleme von heute; man kann dann damit besser umgehen als diejenigen, die später geboren wurden, vielleicht viel später, und nicht diese Erfahrungen haben.

Trotzdem ist es besser, nicht in dieser Vergangenheit zu leben, sondern mit beiden Füßen in der Gegenwart zu stehen. Hier ein Rat von Suzanne Lucas, einer Personalberaterin aus Basel, Schweiz:

„Streich deinen Job von vor 30 Jahren aus deinem Lebenslauf. Er repräsentiert nicht, was du heute leisten kannst. Und er lässt dich alt aussehen. Altersdiskriminierung ist real.“

Ja! Nicht nur ist Altersdiskriminierung real, wenn Du nicht von der Vergangenheit in die Gegenwart trittst, machst DU dich selbst alt und wirkst auch so. Älter als diese unerfahrenen Jungspunde kann wirklich bedeuten, ein erfüllteres Leben zu führen und von mehr Nutzen für die Gesellschaft zu sein.

Also erzähl mir davon!

Wenn ich von meinen quietschenden Gelenken, meinem schmerzenden Rücken, dem schlechten Gehör, schwindenden Augenlicht und langsameren Gedächtnis rede, oder über die Unfähigkeit, Wasser zu halten wenn ich zu sehr lache, und viele Dinge mehr, die ich Dir ersparen will – machen diese mich nicht „alt“? Oder noch schlimmer: Muss ich leugnen, dass ich abbaue und so tun, als wäre ich genauso fit wie die jungen Leute?

Hmm, hmm. Nicht so schnell! Sicher, alles Mechanische bewegt sich immer weiter Richtung Totalversagen. Obwohl, auf wundersame Weise ist der menschliche Körper ziemlich gut darin, sich zu erneuern, in vielerlei Hinsicht sogar darin, sich zu verbessern. Nicht, dass man in der Lage wäre, so schnell wie ein Marathonläufer zu rennen, aber das Ziel besteht darin, weiterzulaufen und die Blutzirkulation aufrechtzuerhalten, um die wichtigsten Organe zu versorgen, was schließlich den Unterschied zwischen richtigem Leben und Dahinschwinden ausmacht.

Der Verstand kann in einem reiferen Alter tatsächlich viel besser arbeiten, obwohl er vielleicht ein wenig langsamer in der Verarbeitung ist. Wegen seiner praktisch unbegrenzten Speicherkapazität verfügt er über Wissensreserven, auf die nur die chronologisch ältere Person zurückgreifen kann. Außerdem hat er viel mehr Erfahrung in der Verarbeitung als jedes Kind jemals haben könnte.

Der bedeutende Unterschied ist meiner Meinung nach, ob man sich selbst als eine normale, erwachsene Person sieht, die das verfolgt, was ihr am besten liegt, oder als einen etwas abgenutzten Mechanismus in ständigem Verfall. Wenn man letzteres glaubt, dann ist man das auch, ohne Frage, denn das gesamte Selbst ist davon überzeugt, so zu denken und zu fühlen. Aber das muss man nicht glauben, zumindest nicht so leicht. Und starke Köpfe und Körper können es völlig verweigern.

Schaut man zurück auf die Natur, seien es Kaninchen, Wale oder Adler: Sie alle werden geboren, sie wachsen, leben und leben, und dann sterben sie. Sie leben kein normales Leben bis zu, sagen wir, ihrem mittleren Alter und bauen dann ab, von maximalem zu minimalem Leben, bis sie sterben. NEIN. Tiere sind unterwegs, jagen ihre Beute, tun all die Dinge, die sie immer tun, bis zu dem Tag an dem sie sterben. Was nicht heißt, dass ihr Körper (oder Geist) nicht abgebaut hat. Sehr wahrscheinlich ist es so, jedoch verjüngen sich Körper und Geist meist jeden Tag genügend, bis zu dem Tag, an dem der Prozess endet und die Kreatur tot umfällt oder irgendwie stirbt.

Die Art und Weise, wie wir Menschen in unserer heutigen Kultur den gleichen Prozess wahrnehmen ist, dass wir den Großteil unseres Erwachsenenlebens damit verbringen, zu arbeiten. Dann wechseln wir von Arbeit auf Ruhestand, je nach Gesellschaft mit 55 oder 65. Dieser Zeitraum soll hauptsächlich dazu dienen, nichts zu tun, sich der aktiven Teilhabe an der Welt zu entziehen und sich von anderen bedienen lassen, bis man nach langwierigem Verfall in allen Bereichen stirbt.

Also, wenn wir so denken, dann wird es auch ganz bestimmt so sein. Natürlich gibt es viele, viele Gründe, warum die Gesellschaft heute so denkt, basierend auf spirituellen, religiösen, politischen und anderen Vorstellungen. Nur nicht auf gesundem Menschenverstand, meiner bescheidenen Meinung nach.

Ich kann verstehen, wie es dazu gekommen ist. Die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert produzierte fleißige Arbeiter, deren Körper und Geist an die Grenzen ihrer Fähigkeiten gedrängt wurden. Dann, kurz bevor sie zusammengebrochen wären, schickte man sie in den „Ruhestand“, um die hauptsächlich körperliche Ausbeutung, die sie so lange ertragen mussten, wiedergutzumachen, indem man ihnen ein angenehmes Leben des „Nichtstuns“ bis zum Ende gab. Meiner Meinung nach ist das oberflächliches Geschwafel. Es ist das menschlich verzerrte Bestreben, „die Zeit zu füllen“, in diesem Fall auf eine ausbeuterische Weise der „Arbeit“, und dann wird das schlechte Gewissen für so eine schlechte Wahl des Zeitvertreibs mit einer ebenso unnatürlichen und verzerrten Zeit der „goldenen Jahre“, genannt „Ruhestand“ besänftigt.

Natürlich werden wir die Vergangenheit nicht ändern. Und ohne Zweifel haben sich die schlausten Köpfe ihrer (und teilweise unserer) Zeit diesen Prozess erdacht. „Arbeit“ und „Ruhestand“ wurden als vernünftige, in deren Meinung vielleicht sogar Gottgegebene Formel für die Nutzung unseres Lebens angesehe

Mit dem Vorteil zurückschauen zu können, muss ich sagen, dass meiner Meinung nach der gesunde Menschenverstand völlig anders hätte arbeiten sollen. Ja, ich glaube, dass „die Zeit zu füllen“ Teil des Menschseins ist, allerdings nicht unbedingt als ein vorgeschriebener Gegenstand unseres Lebens, wie Essen, Trinken oder Fortpflanzung, sondern einer, welcher notwendigerweise für weit mehr Zwecke gedacht ist. Dazu gehört auch, die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen, aber darüber hinaus viel viel mehr, einschließlich dem Greifen nach den Sternen.

Je nachdem von welcher Perspektive wir schauen, von einem spirituellem, religiösem, politischem oder streng individualistischem Blickpunkt; ich denke, dass wie wir unsere Zeit füllen, uns als Menschen bestimmt und welche Art Mensch wir sind, nur weil wir in der Lage sind, nach den Sternen zu greifen.

Wie wollen wir definiert werden?

Nun, nicht als eine Spezies, die zur Erschöpfung ausgenutzt wird solange alle Vitalwerte stabil sind, und dann dem Schwinden und Verblassen zu gegebener Zeit überlassen wird. Nein. Das mag die Praxis für Pferde sein, aber weil wir selbst entscheiden können und dafür verantwortlich sein sollten, wie wir unsere Zeit sinnvoll füllen, sollten wir in der Lage sein, es besser zu machen.

Lass mich hier aus dem Buch “Free to Learn: Why Unleashing the Instinct to Play Will Make Our Children Happier, More Self-Reliant, and Better Students for Life” von Peter Gray zitieren:

„Die Jäger und Sammler unterschieden nicht zwischen Arbeit und Spiel wie wir es tun. Sie sind mit Jagd- und Sammelspielen aufgewachsen und dann allmählich zum eigentlichen Jagen und Sammeln übergegangen, noch immer im Geiste des Spiels. Sie sahen Arbeit nicht als Mühe. Der Anthropologe Marshall Sahlins bezog sich berühmtermaßen auf die Jäger und Sammler Gesellschaften als „die ursprünglich wohlhabende Gesellschaft“.“

Mein Punkt ist, dass wir Menschen als Individuen entworfen wurden, die Initiative und die Liebe zu Spiel und Spaß nutzen. Oder uns vielleicht über eine sehr lange Zeit hinweg dazu entwickelt haben. So erreichen wir am meisten, sind zufrieden und glücklich mit dem, wie wir unserer Zeit verbringen. Die Qual und Verkümmerung unserer Sinne kam erst später, mit der Einführung der Landwirtschaft und erst recht mit der Industrialisierung.

Auch das können wir nicht rückgängig machen. Wir brauchen auch nicht darüber zu schmollen. So war es eben. Ob es uns gefällt oder nicht, es diente einem Zweck: es zeigte uns, dass die Abschaffung von Initiative und Verspieltheit NICHT der beste Weg ist, um die Menschen gesünder und glücklicher zu machen. Im Gegenteil. Das ist es, was die Menschen krankmacht, sowohl physisch als auch psychisch. Allein darüber könnte man ein Buch mit einer langen Liste von Beispielen schreiben. Aber man muss wahrscheinlich nicht lange suchen um viele Beispiele für die Auswirkungen dieses „modernen Lebensmodus“ zu finden; das sind zum Beispiel Menschen, die gestresst sind, ihr Verstand vielleicht laufend verzerrt oder überspannt; die unter Herzproblemen, Diabetes, Krebs oder Präkanzerose leiden; und so weiter. Die Menschen haben Leiden und Krankheiten, die es in der Jäger und Sammler Gesellschaft und vielen anderen Gesellschaftsformen gar nicht gab, die nicht nach dem Lebensstil „harte Arbeit und dann Ruhestand“ lebten oder immer noch leben.

Genauso wollen wir NICHT definiert werden. Das heißt, dass wir unsere Zeit nicht mit „arbeiten dann in den Ruhestand gehen“ verbringen wollen, obwohl die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Botschaft das als normale, wünschenswerte Art und Weise ansieht. Wir von einem fortgeschrittenem Alter und in gutem Zustand wollen als „superbe Senioren“ definiert werden, die zwei Dinge anders machen

(1) Wir leben EIN Erwachsenenleben, von dem Punkt an dem wir in der Lage sind, volle Verantwortung für uns selbst zu tragen, bis zu dem Tag an dem wir sterben. Keine „jungen Arbeiter“ und „alten Arbeiter“ und „Rentner“ oder andere Einteilung nach Alter oder Lebensabschnitt. Was auch immer wir tun, mit wem auch immer wir interagieren, es macht wirklich keinen Unterschied wie alt wir sind, so lange wir hervorbringen/liefern/tun was den Umständen entspricht. Außerdem: Die Leute wissen nicht genau wie alt man ist, oder könnten völlig falsch liegen wenn sie raten müssten. Was wenn man selbst sein Alter nicht wissen würde? Man würde immer noch Softball oder was auch immer spielen, je nachdem ob man dazu in der Lage ist oder vielleicht auch nicht – vielleicht wöllte man auch gar nicht, selbst wenn man in Wahrheit 28 wäre. Also, wir sitzen ALLE gemeinsam in diesem Boot.

In meinem Leben habe ich immer das getan, was ich tun wollte, wann ich es tun wollte, und nichts aus irgendeinem anderen Grund. Ich habe nie, unter keinen Umständen über das Alter nachgedacht, oder was angemessen wäre für das bestimmte Alter zur jeweiligen Zeit, aber ich habe viele Menschen gesehen, die das tun – zu ihrem eigenen Nachteil.

(2) Wir „füllen unsere Zeit“ mit Gedanken und Aktivitäten, die wir genießen, und Taten, die wir erreichen WOLLEN, und/oder Dingen, die wir schaffen oder bewerkstelligen WOLLEN. Das ist alles. Zumindest ist es das, was ich getan habe, und immer noch tue, hoffentlich bis zu dem Tag an dem ich sterbe.

Selbstverständlich können sich diese Wünsche, allmählich oder plötzlich, ändern während wir durch unser Leben gehen. Das ist natürlich und abhängig von unserem Umfeld und vielen äußeren Umständen. Aber in keinster Weise sollte das etwas mit unserem wahren Alter zu tun haben. Unser Alter begleitet uns wie das Boot, dass uns den Fluss hinunter durch die Schlucht des Lebens führt. Es macht keinen Unterschied. Das ist unser Alter in diesem Moment an diesem Punkt des strömenden Flusses, und es folgt uns wohin auch immer wir gehen werden.

Da es meine persönliche Empfehlung ist, die Wünsche und Freuden der 88jährigen oder älteren, und derer die auf dem Weg sind, sich dieser Clique anzuschließen, zu legitimieren; werde ich ein paar Dinge zum „Zeit verbringen“ auflisten, die ich mit großer Freude betreibe. Und ich kenne viele andere, die auch ähnliche Interessen verfolgen.

Aber zuerst ein Ausschnitt aus Jo Ann Jenkins Buch „Disrupt Aging: A Bold New Path to Living Your Best Life at Every Age” (2016):

„Die Altersgruppe, welche am schnellsten wächst, sind die 85jährigen und darüber“

  1. Das WOLLEN diese Jungs (einschließlich ich selbst) und Mädels erreichen, sie wollen sich daran festhalten, sich verbessern, und damit spielen.

(A) Gute Gesundheit. Das beinhaltet viele Dinge. Zum Beispiel einen guten Schlaf. Oder die richtigen Dinge zu essen und sich von dem fernzuhalten, was nicht gut für einen ist. Auf den eigenen Körper zu achten indem man sich bewegt und die Ausdauer trainiert. Außerdem auch Meditation und geistiges Training.

(B) Liebe und Zuneigung. Die wahre Sache mit dem richtigen Partner. Oder im eigenen Geiste, wenn es sein muss, mit Menschen die schon gegangen oder auf halbem Wege über den Fluss Styx sind. Natürlich auch mit Familie und Freunden, sowohl alten als auch neuen. Man sollte offen sein, neue Gefährten in sein Leben zu lassen. Seien Sie immer derjenige, der Liebe und Zuneigung gibt; sitzen Sie nicht einfach da und warten, dass sie auf Sie zukommt – das wird nicht funktionieren. Wenn man jedoch derjenige ist, der Liebe und Zuneigung schenkt, WOW, wird man mehr zurückbekommen, als man sich je vorstellen könnte, außerdem auf Wegen, über die man vermutlich auch nie nachgedacht hat.

(C) Lebenslanges Lernen. Lern neues. Entdecke Welten, die du zuvor nicht kanntest. Lern das Universum kennen, selbst in seinen kleinsten Ecken. Heutzutage ist das einfach, denn man muss nicht mehr selbst irgendwo hingehen, man kann das bequem von seinem Sessel über den Laptop oder das Fernsehen tun. Aber trotzdem ist es immer noch besser, selbst hinauszugehen.

(D) Kunst. Lass deiner Phantasie freien Lauf und nutze sie. Versuch doch mal zu malen, Skulpturen zu formen oder ein zwei Gedichte zu schreiben, oder was auch immer. Spiel ein Instrument oder sing einfach nur. Lerne vielleicht zu tanzen, oder wenn das alles zu aufwendig ist, schau wenigstens das neueste Ballett an, geh in die Oper oder Symphonie oder besuche Museen. Wenn selbst das zu schwierig ist, kann man auch hier den Computer nutzen, auch wenn ich das als letzte Wahl empfehlen würde. Selbst zu gehen ist besser. Außerdem sammelt man nebenbei neue Erfahrungen, was ebenfalls gut tut. 

(E) Lies Bücher, schau Filme. Lies endlich all die Bücher, für die du früher nie Zeit hattest. Falls nötig, lass dir von einem Bibliothekar helfen und Empfehlungen geben. Wenn du schlechte Augen hast (so wie ich) und lesen zu anstrengend ist, besorge dir Hörbücher. So kannst du sogar „lesen“ während du im Bett oder auf dem Sofa, oder im Gras unter einer großen Eiche liegst.

(F) Verdien etwas Geld – falls dir das ein gutes Gefühl gibt, so wie es bei vielen Menschen ist. Die Liste dafür ist zu lang, um sie hier einzufügen, darüber müsste ein ganzes Buch geschrieben werden. In der Zwischenzeit nutze einfach deine eigenen Ideen und verdien Geld mit dem, worin du gut bist und genieß es.

(G) Vertrau dir selbst. Als letzten Punkt dieser Liste schlage ich vor, dass jetzt der Zeitpunkt ist (und das ist im Prinzip jeder Zeitpunkt im Leben), um eigene Ideen, egal worüber, zu haben und sich damit auseinanderzusetzen.

Wie du vielleicht schon bemerkt hast, hat der Tag zu wenige Stunden, um all die Dinge zu machen oder allen Interessen nachzugehen auf die man Lust hat. Aber das ist OK. Es wird immer einen nächsten Tag geben. Und das ist eigentlich sogar gut, denn dieses Kontinuum hält uns am Leben, einem hervorragenden Leben noch dazu.

Das bringt mich zu einer weiteren Fähigkeit, welche meiner Meinung nach sehr wichtig ist: JETZT zu leben, nur heute, in der Gegenwart.

Mit anderen Worten: Es tut nicht gut in der Vergangenheit zu leben. Wir alle wissen das, oder sollten es wissen. Es nützt nichts, wegen verschütteter Milch zu weinen, es bringt nichts, sich schlecht oder zu kurz gekommen zu fühlen in dem was gestern und davor passiert ist. Das ist alles Vergangenheit – es ist vorbei und man sollte sich keine Sorgen mehr darüber machen.

Genauso ist es nicht gut, förmlich in der Zukunft zu leben. Bis morgen ist vielleicht OK. Und natürlich muss man gewisse Eventualitäten und bestimmte Ereignisse zu weit entfernten Terminen planen. Das ist in Ordnung, sogar notwendig. Man sollte jedoch nicht in Gedanken dorthin wandern, mit allen möglichen Akteuren die diese wundervollen Pläne in der entfernten Zukunft erfüllen werden. Deine Anwesenheit wird hier und heute gebraucht, um dich darauf zu konzentrieren was genau jetzt getan werden kann und sollte. Das Heute braucht deine volle und ungeteilte Aufmerksamkeit, deine Liebe und dein Verständnis. Und wenn du es heute richtigmachst, dann wird es morgen ein Kinderspiel, wenn die selben „genau jetzt hier und heute“ Bestreben wieder von vorn beginnen.

Deshalb sollte die Frage des Alters niemals das Handeln bestimmen, oder die Art und Weise wie die Welt mit einem umgeht. Zumindest bei mir hat sie das bis jetzt nicht, und auch nicht bei anderen die vor mir gegangen sind, viel weiter gegangen als ich.

Der Herbst des Lebens ist Unvermeidlich

Am 7. Mai 1945 war mein 16. Geburtstag, ein Tag bevor Deutschland im 2. Weltkrieg bedingungslos kapitulierte. Ich war ein ausgehungerter Flüchtling, der versuchte, dem russischen Angriff zu entkommen. Erschöpft und unterkühlt hockte ich im Straßengraben auf dem Weg zur Amerikanischen Front und versuchte mich etwas zu erholen, und betete, dass Gott mir erlauben möge bis zum reifen Alter von 32 zu leben. Ja genau, 32. Was für ein wundervoller Triumph und Erfolg das wäre! Zuerst einmal, schlichtweg zu überleben, und noch dazu bis 32 zu LEBEN. WOW!

(Wenn du mehr wissen willst, wie ich überhaupt dorthin gekommen und von dort entkommen bin, schlage ich vor mein Buch „Enjoying the Ride“ zu lesen. Es wurde 2002 veröffentlicht und ist in verschiedenen Formaten auf Amazon und anderswo erhältlich (einschließlich www.straube.com, wo es kostenlos und auch als Hörfassung erhältlich ist.)

Als ich dann tatsächlich 32 Jahre alt war, verheiratet und mit zwei Kindern, und in Kanada lebte, betete ich und hoffte, dass ich es bis 64 schaffe.

Nun, ich schrieb „Enjoying the Ride“ mit 73. Und wissen Sie was, ich mache immer weiter.

Das heißt, all diese Vorurteile über Zeit und Alter sind wirklich sinnlos. Die Zeit wird weitergehen, und man selbst mit ihr, diesen oder jenen Weg, bis zweifelsohne der Tag kommen wird, an dem es nicht mehr weitergeht. Aber dieser Tag hätte, wie bei mir, zwischen dem 16. und 32. Jahr, oder zwischen dem 32. und 64., oder irgendwann danach kommen können. Er wird definitiv irgendwann da sein, nur weiß ich nicht, wann das sein wird. Denn alles was zählt ist, dass es morgen sein könnte. Und das stimmt für jedes „heute“ das kommen wird. Der einzige Weg mit dem Lauf des Lebens umzugehen, ist sich keine Sorgen darüber zu machen, sondern HEUTE so gut wie möglich zu leben. Und das ist einfach toll. Dafür ist die Welt da, und deshalb sind wir auf dieser Welt.

Ich habe Hildegard geheiratet als ich 22 Jahre alt war. Sie war die perfekte Frau für mich: bildhübsch, sportlich, voller Witz und Energie, die klügste Frau die ich kannte, sowohl beruflich als auch sozial, und die wunderbarste Freundin.

Nun, im 64. Jahr unserer Ehe starb sie. Wie die Autopsie zeigte, kämpfte Hildegard seit langer Zeit mit ernsten Krankheiten, und diese waren letztendlich tödlich. Dennoch wusste keiner davon, selbst ich nicht, denn Hildegard lebte und interagierte ganz normal mit der Welt bis zu ihrem letzten Tag. Vielleicht wusste sie es, aber sie achtete darauf, dass es niemand merkt, obwohl es ihr sehr schwer gefallen sein mag. Das ist möglich. Aber dennoch führte sie bis zum Ende ein normales Leben. Und als es Zeit war zu gehen, saß sie in dem Sessel, von dem aus ich jetzt diese Zeilen schreibe, schloss ihre Augen und ihre Atmung verlangsamte sich. Wir saßen zu dritt neben ihr und ich hielt ihre Hand. Dann öffnete sie ein letztes Mal ihre Augen, schaute mich an, darin pure Liebe, als würde sie sich verabschieden, und dann schloss sie ihre Augen für immer.

Ja, Hildegard hatte ein erfülltes Leben. Nicht nur in bestimmten Abschnitten, sondern ihr ganzes Leben lang, von dem Moment an, ab dem sie für sich selbst Verantwortung übernahm bis zu ihrem Tod. Und ich denke so sollte das Leben sein. Alles andere wäre falsch, und hätte sowohl physische als auch psychische Auswirkungen.

Für mich folgte natürlich eine Zeit großer Trauer, eine Trauer die ich niemals wirklich überwinden werde. In meinen Gedanken und vielen anderen Dingen im Leben ist Hildegard immer noch bei mir, und wird es immer sein, da bin ich mir absolut sicher. Unsere Seelen sind bis in die Ewigkeit miteinander verbunden. Offen gesagt ist es sehr tröstlich, diese Verbindung zu haben und sie aufrecht zu erhalten.

Dennoch ist Hildegard jetzt auf der anderen Seite, nicht mehr in dieser Welt – irgendwo wohin ich ihr letztendlich folgen werde, genauso wie viele andere, wenn die Zeit reif ist. Aber bis dahin bin ich hier, und muss meine „Zeit füllen“ bis zu dem Tag, an dem ich dazu nicht mehr in der Lage bin. Das bedeutet ich lebe in dieser Welt, und muss tun was nötig ist, um präsent zu sein, genau hier, genau jetzt.

Deshalb kann und werde ich alles tun, um ganz lebendig zu sein; was mich zurück zu meiner Liste der „Wünsche und Freuden (A-G)“ bringt. Es ist in Ordnung, vielleicht sogar verpflichtend für Verstand und optimale Gesundheit, sich wieder zu verlieben, Sport zu machen, zu lernen, zu lehren, zuzuhören, zu lesen, etwas zu erschaffen, Geld zu verdienen, und diese Welt besser zu machen, auf Welche Art und Weise auch immer. Ja, ich bin hier, arbeite unter den Bedingungen dieser Welt, um zu tun, was hier und JETZT getan werden kann und sollte. Das ist alles. Außerdem ist es gesund und ungemein zufriedenstellend. Keine Zeit für Schmerz oder Leid oder noch schlimmer: zum „alt“ sein.

Chronologisch alt zu sein, so richtig alt wie 88+, ist eine wahre Meisterleistung, ein wünschenswerter Zustand. Denn dann sind Sie weiser, klüger, fitter als andere unter Ihrem Alter; das beweisen Sie schon allein indem Sie fast an der Spitze der Pyramide angelangt sind.

Menschen, die in meinem Buch als „Senioren“ bezeichnet werden, sind jene, welche nach Jahren leben, entsprechend dem Plan der Zeit. Sie akzeptieren diese Bezeichnung, da sie ein bestimmtes „Senioren“-Alter überschritten haben, welches auch immer das sein mag, da es je nach Gesellschaft und Gegend variiert. Was auch immer es ist, für meine Begriffe endet das Seniorenalter an irgendeinem Tag vor dem 88. Lebensjahr. Deshalb sind wir keine „Senioren“ mehr – stattdessen nennen wir uns „superbe Senioren“, denn offensichtlich ist diese Gruppe an der Spitze und sollte deshalb die größte Ehre und den größten Respekt erhalten.

In China haben sie das natürlich schon lange gewusst. Respekt für die Älteren war schon immer ein Teil der chinesischen Kultur. In China hat das Wort „alt“, aus Hochachtung vor älteren Menschen, einen Beiklang von Ehre. Und so sollte es sein, zumindest, wenn man dem gesunden Menschenverstand folgt. Damit ist die Verherrlichung der „Jugend“, wie es sie in der amerikanischen Kultur nun schon lange gibt, eine eher unreife Sicht auf die Welt. Es scheint jedoch, dass auch die Amerikaner langsam aus dieser Sicht herauswachsen. Vielleicht nur, weil die Prozentzahl der Alten gegenüber den Jungen immer weiter steigt. Was auch immer der Grund ist, ich denke es beweist, dass die Gesellschaft kultivierter geworden ist und mehr gesunden Menschenverstand nutzt, um die wirklich Alten zu schätzen und zu ehren.

Die älteste Zivilisation der Welt kannte diese Werte lange bevor sich Barbaren anderswo auf der Welt mehr oder weniger zivilisierten. Hier nur ein paar Beispiele an chinesischen Sprichwörtern von vor mehr als 5000 Jahren:

Ein altes Pferd kennt den Weg.

Ein alter Mann zu Hause [ist wie] ein lebender Goldschatz.

Alte Menschen haben viel Wissen und Erfahrung, [genauso wie] ein alter Baum viele Wurzeln hat.

Und wenn ich noch eine persönliche Beobachtung hinzufügen darf:

Warte bis du eine alte Frau triffst… Du wirst überrascht sein.

Darf man, oder darf man nicht noch einmal heiraten?

Was sind die Regeln für den Hinterbliebenen nach dem Tod eines Ehepartners?

Nun, bestimmten Religionen zufolge hängt das vom Geschlecht des Hinterbliebenen und/oder den Regeln, die diese Religionen entwickelt haben, ab.

Zum Beispiel war es bis 1829 (als die Briten diese Praxis verboten haben) ein hinduistischer Brauch, dass sich eine Witwe selbst auf den Scheiterhaufen ihres Mannes legte oder sich auf andere Weise tötete, kurz nachdem ihr Mann gestorben war. Diese Praxis wurde Sati genannt. Übrigens wurde Sati in Nepal erst 1920 verboten.

Ich finde die Vorstellung von Sati äußerst abstoßend, da sie nur für Frauen galt. Von einem Mann wurde kein Sati Opfer erwartet, wenn seine Ehefrau starb. Das zeigt uns etwas über deren völlig verzerrte Denkweise zu der Zeit, besonders in Bezug auf den Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Dennoch haben fast alle Glaubensrichtungen die Vorstellung gemeinsam, dass ein verheiratetes Paar auf eine gewisse Weise miteinander verbunden bleibt, selbst wenn ein Partner vor dem anderen stirbt. In extremen Fällen, wie dem hinduistischen Sati, wurde die Ehe in jedem Sinne als „ewig“ betrachtet, und deshalb musste die Frau sterben, wenn ihr Gatte starb. Wiederum ist das sehr unangemessen und unlogisch, da es nur für Frauen gilt, nicht für Männer, aber so war es nun mal und die „ewige Ehe“ war die Idee dahinter.

Unabhängig von Religion oder Glauben, stimmt es natürlich, dass verheiratete Paare, zumindest in einer gut funktionierenden Ehe, eine Einheit werden. Jede Person ist ein wesentlicher Teil der Zweisamkeit, die es für eine Ehe braucht, und man hofft, dass diese Beziehung „ewig“ hält.

Es ist auch klar, dass wenn einer der Ehepartner stirbt, ein Teil des hinterbliebenen Gatten ebenso stirbt, was sich durch extreme Trauer zeigt. Mit der Zeit mag diese Trauer nachlassen, aber wahrscheinlich nie ganz verschwinden, selbst wenn der Hinterbliebene wieder heiratet.

Dennoch ist es das, was im wahren Leben geschieht: Der Hinterbliebene heiratet vielleicht noch einmal. Aber, wegen der großen Trauer und vielen anderen Faktoren, wird es bis zu dieser neuen Ehe eine Weile dauern. Man braucht genügend Zeit, um dem Verstorbenen nachzutrauern, sich wieder an das Leben als unverheiratete Person in einer neuen und fremden Welt zu gewöhnen, und so weiter.

Damit das geschehen kann, haben Religion und Gesellschaft eigene Regeln entwickelt, wann man wieder heiraten darf. Der Islam zum Beispiel schreibt vor, dass eine Witwe nach vier Monaten und zehn Tagen wieder heiraten darf. Warum so ein spezieller Zeitraum? Weil vier Monate und zehn Tage nach dem Tod eines Ehegatten für die Zahl der Menstruationen der Frau berechnet werden. Wenn Sie mehr über diese muslimische Regel wissen wollen, schlagen sie einfach unter „iddah“ nach, denn das ist der Name dieses Brauchs.

Verschiedene Religionen und verschiedene Gesellschaften bedeuten auch verschiedene Vorgehensweisen, Gründe, Logik und Traditionen. Wenn du mich fragst, ist das der Grund, warum ich lieber „gesunden Menschenverstand“ empfehle, darauf basierend, was unter den Umständen vernünftig und sinnvoll ist. Das mag völlig unterschiedliche Zeitspannen für verschiedene Menschen bedeuten. Lass mich hier einen Eintrag der „DEAR ABBY“ Kolumne vom 14. September 2014 zitieren:

>>>DEAR ABBY: Mein Großvater heiratete wieder mit 94, drei Monate nachdem seine Frau starb. Die Frau die er heiratete, war eine ehemalige Nachbarin. Die Verwandten waren entsetzt, aber Opa war begeistert! In seinem Alter ist ein Monat wertvolle Zeit, und er hatte das Glück, von vorn anfangen zu können. Ich würde es als Kompliment auffassen, wenn mein Ehemann eine gemeinsame Freundin heiraten würde. Nachdem ich sah, wie mein Großvater sein neues Leben genoss, wurde mir klar, dass diese zweite Ehe ein Beweis für die Liebe zu meiner Großmutter war. – Dankbar in Oakland, Calif.<<<

Wenn du dich für einen Nachmittag amüsieren oder vielleicht völlig verwirren willst, google doch mal die Vorschriften, einschließlich den Verboten, die die verschiedenen Religionen, Kirchen, Gesellschaften, Gurus und sogar Regierungen (einschließlich der U.S. Social Security Administration) anbieten. Es ist verblüffend. Und diese Regeln gibt es garantiert überall.

Deshalb, falls du dich wirklich damit beschäftigen willst, empfehle ich nochmals „gesunden Menschenverstand“, und die Dinge einfach laufen zu lassen. Es ist absolut unmöglich, alle Erwartungen zu erfüllen – zu viele Beteiligte fällen ihr Urteil darüber, wie man mit der Erinnerung des verstorbenen Partners umgehen sollte und danach weiterleben sollte.

Erwartungen Allein Machen den Unterschied

Jeder weiß, dass Menschen, die sich selbst als Opfer ihrer Umstände sehen, ängstlich und schnell deprimiert sein können, während jene, die zu dem stehen, was sie tun oder durchmachen, es meistens nicht sind. Und noch mehr: Menschen, die für sich selbst Verantwortung tragen, können selbst mit ernstem Stress und Belastungen auf außergewöhnliche Weise umgehen, welche auch zu besseren Ergebnissen führt. Außerdem bewirkt sie das Gegenteil von Angst und Depression, nämlich Entlastung, Zufriedenheit und sogar Freude.

Natürlich mag das schwierig erscheinen, besonders in der Beziehung zwischen Mann und Frau, aber eigentlich ist es das nicht. Denn letztendlich sind wir alle miteinander verwandt. Es ist nur eine Frage des Verwandtschaftsgrades, wie eng die Beziehung ist, und sowohl Ort als auch Zeitpunkt spielen eine Rolle. Lass mich das erklären.

Du siehst, dass es unsere spirituellen, religiösen, politischen oder anderen großen Vorstellungen sind, die unsere Sicht auf die Dinge formen und verändern, während es mein Vorschlag ist, wie zuvor bereits erwähnt, einfach gesunden Menschenverstand zu nutzen.

Ich habe diese Abhandlung mit einem kontroversen Standpunkt begonnen, welcher in unserer Gesellschaft hinsichtlich der moralisch richtigen Beziehung zwischen Mann und Frau existiert, besonders in Bezug auf erwachsene Menschen. Nun muss ich anmerken, dass die „richtige“ Beziehung zwischen Mann und Frau in verschiedenen Gesellschaften sehr unterschiedlich definiert wird, und jede glaubt, ihre Praxis sei die einzig wahre.

Kehren wir zu einer der ersten Gesellschaftsformen zurück: den Jägern und Sammlern, von denen es noch immer einige vereinzelte Gruppen gibt. Die Frau war – und ist es mancherorts immer noch – dem Mann weitestgehend gleichgestellt. Die Hochzeit zwischen Mann und Frau jedoch ist nicht üblich. Sie mögen für eine Weile zusammen sein, aber irgendwann finden sie einen neuen Partner. Sie tun dies aus verschiedenen Gründen, die meisten davon haben damit zu tun, gesunden Nachwuchs hervorzubringen und aufzuziehen.

Später entstanden alle möglichen Religionen, und spezielle Konzepte und Regeln entwickelten sich, wie diese Beziehung zwischen Mann und Frau aussehen soll. Hier will ich eine kleine Liste der Gepflogenheiten geben, die weltweit so entstanden sind, auch wenn diese nicht im Geringsten vollständig ist. Diese könnte mal wieder ein ganzes Buch füllen, das vielleicht schon jemand geschrieben hat oder irgendwann schreiben wird. Ich will nur ein paar Beispiele auswählen, welche mir gleich in den Sinn kamen.

Muslime gestatten ihren Männern bis zu vier Frauen. Und, soweit ich es erlebt habe, sind alle Beteiligten mit dieser Lösung zufrieden. Allah stimmt zu, schreibt es vielleicht sogar vor.

Mormonen haben grundsätzlich zahllose Frauen, alle zur selben Zeit. Mormonenführer bestätigten, dass der Gründer und Prophet der Kirche, Joseph Smith, 40 Frauen hatte, manche von ihnen bereits verheiratet und eine erst 14 Jahre alt.

Das Christentum verkündet im Großen und Ganzen, trotz seiner vielen verschiedenen Kirchen, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau eine einmalige Angelegenheit ist, „von jetzt an, bis dass der Tod uns scheidet.“ Dennoch ist es gängige Praxis, dass sich Paare scheiden lassen und wieder heiraten, manche von ihnen mehrmals. So enden sie im Verlauf ihres Lebens mit mehreren Beziehungen, auch wenn jede eine ein-Mann-eine-Frau-Beziehung war. Ich habe auch erlebt, dass Ehen annulliert wurden, manchmal Jahre nachdem sie eingegangen wurden, und die Beteiligten dann behandelt wurden, als ob sie nie verheiratet waren.

Ich traf ethnische Minderheiten in China (als ich dort war, gab es 54), einige von ihnen außerhalb von Kunming in der Yunnan Provinz, ein paar wenige davon sind matriarchische Gesellschaften. In einer funktioniert die Frau-Mann-Beziehung so ähnlich wie bei den Mormonen, nur dass die Frau das Oberhaupt der Familie ist und viele Ehemänner haben kann, oder quasi-Ehemänner, die im Gegenzug mehreren Familien dienen können.

Wenn man all dies von einer rationalen Perspektive betrachtet, sehe ich zwei Formen einer vernünftigen, gesunden, gerechten und funktionierenden Mann-Frau-Beziehung:

(X) Wenn jemand überzeugter Anhänger einer bestimmten Religion oder Weltanschauung und deren Regeln ist, dann macht es Sinn, nach diesen Regeln zu leben und darin sowohl Glück als auch Seelenheil zu finden.

(Y) Körperlich, geistig und spirituell kann die Beziehung nur zwischen einem Mann und einer Frau sein. Und um diese Erfahrung zu vertiefen, was bedeutet EIN wahres Paar in jeder Hinsicht zu werden, muss diese Beziehung exklusiv sein. Es wird keine anderen Frauen oder Konkubinen geben, es sei denn die Frau WILL nur eine Teilzeitpartnerin sein, und der Mann ist bereit, für sie genauso viel Verantwortung zu tragen wie für eine einzige Partnerin.

All das gilt nur für den Zeitraum, in dem die Partner wirklich zusammenleben, nicht nachdem sie getrennt wurden, sei es absichtlich oder durch den Tod oder wenn sie dauerhaft getrennt leben. Mit anderen Worten: eine gesunde, gottgegebene Mann-Frau-Beziehung ist möglich und erstrebenswert, wenn beide einzig für einander da sind, am selben Ort, zur selben Zeit. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass man auf diesem Wege wahres Glück finden kann, ganz zu schweigen von Schwierigkeiten, die leichter überwunden werden können und Beziehungen mit dem Rest der Welt, welche gestärkt werden.

Warum ist es wichtig, das klarzustellen? Weil die falschen Erwartungen darüber, was wir tun und lassen sollten, besonders in einem bestimmten Alter, leicht zu fatalen Fehleinschätzungen führen, und zu Entscheidungen, die unser Leben negativ beeinflussen. Stattdessen liegt die Antwort darin zu arbeiten, leben, denken, lieben und seine Ziele zu verfolgen – JETZT. Sei nicht voreingenommen, und tu etwas für eine bessere Zukunft, anstatt irgendetwas von ihr zu erwarten.

Ja, das ist eine „Herbst des Lebens“-Geschichte. Aber die Geschichte ist noch nicht vorbei – sie ist lebendig wie eh und je und wird so weitergehen, bis sie zu Ende ist. Wie kann irgendjemand wissen, ob heute oder morgen nicht der letzte Tag seines oder ihres Lebens ist, egal in welchem Alter? Deshalb müssen wir HEUTE leben, ohne Angst vor dem Morgen, so wie es praktisch alle Lebewesen tun, denn das ist der einzige Weg, ein erfülltes Leben zu leben, es zu teilen und um dieses unglaubliche Leben in dieser Welt zu genießen.

Also, nur für dich, und dich, und dich, und mich geht die Sonne über einer gesunden Welt auf, die unser Garten Eden sein kann um darin zu genießen, ihn voll auszukosten, weiter zu pflegen und darin zu spielen – JETZT.